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Zeit haben – Zeit schenken
AdobeStock 215053916Über das „Zeithaben“ kann lange diskutiert werden. Bekanntlich wird die Zeit durch den Menschen ganz verschieden empfunden und beeinflusst. Sich ein wenig mit dem Takt, der unser Leben bestimmt, zu beschäftigen, macht sicher nachdenklich und ermöglicht mehr Substanz, statt Aktivismus ins Leben einzubringen.

Die Zeit ist ein verlässlicher Partner, um das Leben zu ordnen. Die Redensweise „Ich habe keine Zeit“ ist verfänglich, denn es ist die eigene Prioritätensetzung, welche die Zeit für Dinge und Menschen einschränkt. Die Zeit ist ein verlässlicher Partner, um das Leben zu ordnen. Die Redensweise „Ich habe keine Zeit“ ist verfänglich, denn es ist die eigene Prioritätensetzung, welche die Zeit für Dinge und Menschen einschränkt. 
Wir haben für die Zeit kein Organ wie z.B. die Augen zum Sehen. Der „gefühlte“ Zeitablauf wird aber durch die Körperwahrnehmung beeinflusst, was im Grosshirn nachgewiesen werden kann. In der Kinder- und Jugendzeit prägen sich neuartige Erlebnisse, verstärkt durch Emotionen sehr stark ein und lassen durch diese Fokussierung „die Zeit stehen“. Da aber Erlebnisse nicht endlos aufrechterhalten werden können, stellen sich mit der Zeit im Erwachsenenalter Routinen, d.h. „automatische“ Gewohnheiten ein. Diese beschleunigen das Zeitgefühl, sind aber für Sicherheit, Orientierung und Erholung überlebenswichtig. Kommt dazu, dass wir heute die Abläufe präziser takten und optimieren können und deshalb die Zeit noch schneller vergeht.
Weil in der Gegenwart durch Geräte wie Handy, Computer, Roboter alles viel schneller wird, gibt es mehr „Leerzeiten“. Schuld daran ist nicht die Technologie, sondern die Art wie wir mit ihr umgehen. Wir sind uns gar nicht mehr gewöhnt die aufkommende Langeweile durch Wartezeiten auszuhalten. Wir suchen vielfach, durch hektische und gleichzeitig verschiedene Beschäftigungen, diese Momente auszufüllen. Durch diesen Aktivismus treiben wir unbewusst die Zeit an. So schwindet der Sinn für die tatsächliche „Lebenszeit“ immer mehr, denn man fragt sich vielfach am Tagesende, was man überhaupt getan hat.
Durch die unkritische Technologiegläubigkeit zugunsten eines angenehmeren und gesünderen Lebens entsteht zunehmend eine spirituelle Leere. Die technologisch geprägte Zeit, richtet sich immer mehr an den Bedürfnissen des Menschen aus, geht in den Menschen hinein und vereinigt sich mit ihm. Ökonom James Hein umschreibt dies so: „Es herrscht heute in der westlichen Welt eine spirituelle Leere vor, deshalb geben wir uns so exzessiv und berauscht der Technologie hin“.  
Wir haben in den Wohlstandgesellschaften so viel Freizeit wie noch nie im Vergleich zu den vorausgegangenen Generationen. Gefragt ist heute Intensität und Aktivismus, statt Warten und Ruhe. Dies lässt die „Hilfstruppe“ mit u.a. Psychologen, Psychiatern und Beratern aller Schattierungen profitieren, ohne dabei viel ändern zu können. Lässt sich die Zeit überhaupt noch qualitätsvoll gestalten, um die subjektiv gefühlte Lebenszeit zu verlängern? Ja! Es muss einfach mit den Dingen bewusst, achtsam, fokussiert, intensiv und emotional umgangen werden. Man muss auch mögen, was man tut und so sollte man To-do-Listen nicht nur für alltägliche Mikroaufgaben, sondern auch für wichtige Lebensaufgaben einsetzen. Durch Meditation, Joga und Sport kann man sich vom hektischen Alltag ausklinken, den Moment leben und mit der damit verbundenen Entschleunigung ein Gleichgewicht bzw. ein „Flow“ erreichen.  

Fazit
Einerseits hat positiver Stress als Lebensantrieb eine grosse Bedeutung. Doch anderseits verstärkt sich durch eine schlechte Lebensorganisation der negative Stress. Zum Ausgleich braucht es deshalb Momente, wo man mit sich selbst stark beschäftigt und damit auf sich zurückgeworfen wird. Auch ein Verschenken von Zeit führt zu mehr Präsenz und vertieften Kontakten! Dadurch kann die gefühlte, subjektive Lebenszeit länger für ein erfülltes Leben eingesetzt werden und es entstehen mehr persönliche Freiheiten und Spiritualität.  /be
Quelle: Publikation „Wenn die Zeit stehen bleibt“, Dr. Marc Wittmann, Verlag Beck 2015

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